Männer

Eine halbe Minute für die Ewigkeit

Im Interview: Youngster Pharell Hensel blickt auf sein Bundesliga-Debüt in Frankfurt zurück.

Nur acht Tage nach dem Debüt von Rechtsverteidiger Jan Bürger hat auch Youngster Pharell Hensel seinen Moment auf der großen Bühne gefeiert. Der 18-Jährige ist der erst vierte gebürtige Wolfsburger, der sein Bundesliga-Debüt für den VfL gegeben hat. Im Interview blickt der Mittelfeldspieler auf dieses besondere Erlebnis zurück.

Pharell, lass uns mit einer Frage starten, die wahrscheinlich viele Fans beschäftigt: Was hat es mit deinem Vornamen auf sich? 

Pharell Hensel: Das fragen mich echt viele. Man denkt sofort an den Sänger Pharrell Williams – damit hat es aber nichts zu tun. Meine Eltern hatten damals einfach eine Namensliste, und da stand auch „Pharell“ drauf. Es ist, glaube ich, ein irischer Name – aber wir haben keine irischen Vorfahren. Sie fanden den Namen einfach gut und haben sich sofort dafür entschieden.

Beim Auswärtsspiel in Frankfurt hast du dein Debüt für die VfL-Profis gegeben. Bundesliga-Spieler – wie hört und fühlt sich das an? 

Pharell: Unfassbar gut. Ehrlich gesagt habe ich es noch nicht komplett realisiert – das war ein Augenblick, von dem ich ewig geträumt habe. Und jedes Mal, wenn ich daran denke, werde ich wieder nervös. Gleichzeitig ist dieses Debüt ein riesiger Ansporn: Ich will mich weiter zeigen, im Training alles raushauen und mir hoffentlich in Zukunft noch mehr Minuten erarbeiten. Das war ein Meilenstein – aber eben auch erst der Anfang.

Wann hast du zum ersten Mal gedacht, dass es so weit sein könnte?

Pharell: Daniel Bauer hat mich am Donnerstag vor dem Spiel noch mal angerufen und gesagt, dass es – je nach Spielstand – vielleicht klappen könnte. Trotzdem bin ich ohne große Erwartungen reingegangen. Als Julian Klamt mir dann gesagt hat, dass ich gleich eingewechselt werde, war mein Kopf plötzlich leer. Ich war komplett im Tunnel, habe nichts mehr gedacht – und auch keinen Ton mehr rausbekommen.

Was hat dir Daniel Bauer an der Seitenlinie mitgegeben? Immerhin war Frankfurt in der Schlussphase drauf und dran, das Spiel zu drehen… 

Pharell: Er hat mir gesagt, dass ich jeden Ball anlaufen, jeden Gegner unter Druck setzen und einfach so spielen soll wie immer.

Von deiner Einwechslung bis zum Abpfiff vergingen nur etwa 30 Sekunden. Hat es sich für dich auch so kurz angefühlt?  

Pharell: Überhaupt nicht. Ich habe danach die Videos gesehen und gedacht: „Okay, so kurz war das?“ Aber ich hatte ja noch einen Ballkontakt, den Pass auf Mattias Svanberg – die Situation ist mir im Kopf geblieben. Für mich fühlte es sich eher wie ein paar Minuten an. Und am Ende ist es sowieso egal, wie viele Sekunden es waren: Es bedeutet mir alles.

Meine Eltern waren einfach sprachlos vor Freude. Ich glaube, wir alle werden uns noch ewig daran erinnern.
Pharell Hensel

Welche Rolle spielt es für dich, dass du dein Debüt unter Daniel Bauer gegeben hast?  

Pharell: Wenn man darüber nachdenkt, ist das echt krass: Er hat mich damals als U17-Spieler zur U19 hochgezogen – und jetzt habe ich unter ihm mein Bundesliga-Debüt gefeiert. Unglaublich.

Deine Eltern waren unter den knapp 60.000 Fans im Deutsche Bank Park – und deine Mutter hatte an dem Tag auch noch Geburtstag. Wie emotional war das für euch alle?

Pharell: Meine Eltern waren einfach sprachlos vor Freude. Ich glaube, wir alle werden uns noch ewig daran erinnern. Nach dem Spiel habe ich super viele Nachrichten bekommen: von meiner U19-Mannschaft, von alten Trainern und sogar von Kollegen meiner Eltern. Das war richtig schön.

Wo wird das Trikot von deinem Debüt einen Platz finden?

Pharell: Das hängt sogar schon – eingerahmt im Wohnzimmer bei meinen Eltern. Dort hängt auch schon das Trikot von meinem Kaderdebüt gegen Bremen. Alles andere, Pokale oder Erinnerungen, ist in meinem Zimmer verstaut. Unser Wohnzimmer ist eigentlich eher schlicht in Beige gehalten, da sticht das Trikot natürlich ein bisschen raus – aber das ist in diesem Fall egal.

Du hast als vierter gebürtiger Wolfsburger dein Bundesliga-Debüt für den VfL gegeben. Was bedeutet dir das?

Pharell: Es haben nicht viele Wolfsburger geschafft, hier in der Profimannschaft zu spielen. Dass ich jetzt einer davon bin, macht mich extrem stolz. Ich bin hier geboren und groß geworden. Ich kann mir eigentlich nichts anderes vorstellen. Wolfsburg ist meine Nummer eins.

Fußball – und auch der VfL – sind bei dir ja echte Familiensache: Dein Vater hat lange in der zweiten Mannschaft gespielt. Wie stark hat dich das auf deinem Weg geprägt?

Pharell: Er hat mir Fußball schon früh nahegebracht. Ich habe mit vier Jahren in meinem Dorfverein TSV Ehmen angefangen, und mein Vater war dort auch mein erster Trainer. Dadurch war diese Verbindung zum Fußball – und auch zum VfL – eigentlich von Anfang an da.

Es gibt ein besonderes Foto aus deiner Anfangszeit, das dich an der Seite von Julian Klamt zeigt. Was steckt dahinter? 

Pharell: Damals habe ich noch beim TSV Ehmen gespielt und war Einlaufkind beim Spiel gegen die zweite Mannschaft des VfL. Und ausgerechnet ich war an der Hand von „Kutsch“. Dass wir jetzt hier zusammen bei den Profis sind, ist schon unglaublich.

Seit der U10 spielst du beim VfL, warst sogar schon in der U9 im Talente-Team. Erinnerst du dich noch an deinen ersten VfL-Moment?

Pharell: Ja, das war der Talenttag des 2006er-Jahrgangs. Da war ich als 2007er schon dabei – das ist der erste VfL-Moment, an den ich mich wirklich erinnern kann. Da waren über 100 Kinder, wir haben auf mehreren Feldern gespielt und die Trainer haben zugeschaut. Zwei Wochen später kam dann die Nachricht, dass ich es ins Talente-Team geschafft habe.

Du hast alle Altersklassen der VfL-Akademie durchlaufen. Was hat sie dir ganz konkret mitgegeben?

Pharell: Einfach alles. Ehrgeiz, Mentalität, technische Dinge – das komplette Paket. Ich wende heute vieles an, was ich hier gelernt habe.

Kurz vor dir hat auch dein U19-Mitspieler Jan Bürger für die Wölfe debütiert…

Pharell: Das fühlt sich total surreal an. Es schaffen nicht viele Jugendspieler nach oben – und dass es innerhalb von so kurzer Zeit gleich zwei von uns sind, ist ein richtig gutes Zeichen. Wir kennen uns schon seit einer gefühlten Ewigkeit, haben immer zusammengespielt und ein sehr gutes Verhältnis. Es ist schön, diese besonderen Momente mit ihm zu teilen.

Pharell, zum Schluss: Wenn du mit etwas Abstand auf die letzten Wochen schaust – was nimmst du daraus mit?

Pharell: Dass Träume wahr werden können, wenn man dranbleibt. Das Debüt war ein riesiger Moment, aber jetzt will ich mehr. Ich möchte weiter lernen, weiter arbeiten – und hoffentlich bald wieder für die Profis auf dem Platz stehen. Am liebsten dann auch hier in Wolfsburg vor unseren Fans.