28.01.2019
Frauen

„Durch Leistung überzeugen"

Babett Peter über die Ziele mit den VfL-Frauen und ihre WM-Chancen.

Sie zählt zu den erfolgreichsten Fußballerinnen der Welt, hat alles gewonnen, was man in ihrer Sportart gewinnen kann – und ist immer noch hungrig: Babett Peter will sich auch künftig nicht mit zweiten Plätzen zufriedengeben. Schon einige Male wurde die 30-Jährige von Verletzungen aus der Bahn geworfen, immer wieder kehrte sie zurück. Und meist noch stärker. Mit ihrer Dynamik, ihrer Schnelligkeit und ihrer Zweikampfstärke hat sie ihren Platz derzeit auf der rechten Abwehrseite der Wölfinnen gefunden, wobei sie diese Position durchaus modern interpretiert. Tempo aufnehmen, bis zur Grundlinie gehen und dann präzise Flanken schlagen – diese Attribute gehören ebenso zu ihrem Repertoire wie Zweikampfhärte und gutes Stellungsspiel. Welche Position sie bevorzugt, was sie mit den Wölfinnen in der zweiten Saisonhälfte vorhat und warum sie oft unterschätzt wird, verrät Peter im Interview.

Hallo Babett, die erste Hälfte des Trainingslagers in Portugal liegt hinter euch. Wie fällt dein Zwischenfazit aus?

Babett Peter: Wir finden hier wieder optimale Bedingungen vor, so wie in den letzten Jahren. Der Trainingsplatz präsentiert sich in einem guten Zustand, im Hotel fühlen wir uns wohl und das Wetter ist bis jetzt auch gut. So kann es in den nächsten Tagen gerne bleiben!

Rechte Außenbahn, linke Außenbahn, Innenverteidigung – in der Abwehr hast du im Verlauf deiner Karriere schon alle Positionen besetzt. Wo fühlst du dich eigentlich am wohlsten?

Babett: Ich fühle mich auf allen Positionen in der Abwehr wohl, von daher kann ich diese Frage nicht eindeutig beantworten. Lange Zeit habe ich mich tatsächlich eher als Innenverteidigerin gesehen, aber es macht mir auch Spaß, auf den Außenpositionen zu spielen. Und flexibel zu sein, ist ja kein Nachteil. 

Du hast in deiner Karriere alle Titel gewonnen, die man im Frauenfußball gewinnen kann. Welche Trophäe würdest du denn gerne noch einmal in den Händen halten?

Babett: Die Champions League mit dem VfL Wolfsburg zu gewinnen, ist ein großes Ziel. Vor neun Jahren habe ich diesen Titel mit Turbine Potsdam geholt und es wäre toll, wenn ich das mit dem VfL auch noch einmal schaffen würde.

Auf dem Weg zu diesem Ziel kommt es im März zur Neuauflage des letzten Endspiels, diesmal steht ihr Olympique Lyon schon im Viertelfinale und damit in zwei Spielen gegenüber. Ein Vorteil für euch?

Babett: Das kann man so oder so sehen, schlauer sind wir ohnehin erst nachher. Mein Maßstab ist weniger das Endspiel in Kiew, sondern das Viertelfinale vor zwei Jahren. Da haben wir sehr guten Fußball gespielt, waren ganz dicht dran. Und da wir uns in den letzten zwei Jahren weiterentwickelt haben, glaube ich, dass wir sie diesmal packen können!

Mit dem VfL Wolfsburg geht’s also bald nach Frankreich – und im Sommer hättest du sicher auch nichts gegen einen längeren Aufenthalt in unserem Nachbarland. Dort findet bekanntlich die WM statt…

Babett: Stimmt. Ein WM-Titel wäre auch nochmal toll… 

Beim Lehrgang der Nationalmannschaft in Marbella warst du nicht dabei. Hat dich das überrascht?

Babett: Ja, ehrlich gesagt schon. Es hatte nichts darauf hingedeutet, dass ich nicht nominiert werde.

Wie hat die neue Nationaltrainerin Martina Voss-Tecklenburg denn den Verzicht auf eine 118-malige Nationalspielerin, die bei einem europäischen Top-Verein auf hohem Niveau spielt, begründet?

Babett: Ich habe sie angerufen und um ein Feedback gebeten. Es war ein gutes Gespräch. Sie meinte, dass sie sich von allen in Frage kommenden Spielerinnen erst mal ein Bild machen müsse und dass sie noch auf mich zukommen werde.

Nun bist du aber nicht gerade eine Unbekannte im deutschen Frauenfußball…

Babett: Martina weiß durchaus, was ich kann und dass ich ein absoluter Teamplayer bin. Gleichzeitig hat sie mir auch mitgeteilt, welche Schwächen sie bei mir sieht und an was ich arbeiten muss. Das akzeptiere ich natürlich. Ich bin aber selbstbewusst genug, um zu sagen, dass ich mich in diesem Kader sehe und dass mich die Nicht-Nominierung enttäuscht hat.  

In der Öffentlichkeit wurde deine Personalie nicht thematisiert. Liegt das daran, dass du grundsätzlich eher zurückhaltend und nicht als „Lautsprecher" bekannt bist?

Babett: Ja, möglicherweise. Aber das ist nun mal meine Art. Ich habe nicht vor, mich nach 13 Jahren zu ändern und in der Öffentlichkeit plötzlich ein Fass aufzumachen. Vielmehr ist es mein Ziel, durch Leistung zu überzeugen. Alles andere kann ich ohnehin nicht beeinflussen. So habe ich es in meiner Karriere schon immer gehandhabt – und ich hatte schon einige Rückschläge. 

Das spricht für dich – aber trotzdem nochmal nachgehakt: Findest du es nicht ungerecht, dass andere Spielerinnen öfter im Fokus stehen und du als eine der weltweit erfolgreichsten Fußballerinnen öffentlich nicht den gleichen Stellenwert genießt?

Babett: Das ist ok für mich. Ich habe nie ein WM-Finale entschieden, aber auch nie in einem WM-Finale ein Eigentor geschossen. Meine Stärke war immer die Konstanz, aber das ist eben selten spektakulär. Hinzu kommt, dass Abwehrspielerinnen ohnehin nicht so im Fokus stehen. Ich werde sicherlich von vielen unterschätzt, aber das ist okay für mich. Wichtiger ist mir, dass ich jene Personen überzeuge, auf die es ankommt. Das Lob einer Mitspielerin wiegt für mich mehr als eine fette Schlagzeile.

Zum Profil von Babett Peter

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