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„Du hast keine Zeit, darüber nachzudenken“

Im Interview: Maximilian Arnold über sein Jubiläum, ein vergessenes Debüt und die nächste Aufgabe. 

Er ist der jüngste Bundesligaspieler der VfL-Historie, Rekordspieler der Wölfe, bester Distanzschütze der Bundesliga – und hat am vergangenen Wochenende erneut Geschichte geschrieben: Mit seiner Einwechslung bei Union Berlin absolvierte Maximilian Arnold als erster Wolfsburger sein 400. Bundesliga-Spiel. Im Interview spricht der 31-Jährige über bewegende Momente, ein vergessenes Debüt und die nächste Aufgabe.

Max Arnold, wann hast du das letzte Mal geweint?

Max Arnold: Ich hatte bei meiner Hochzeit vor acht Jahren Tränen in den Augen, als meine Frau zum Altar gekommen ist. So richtig geweint habe ich aber zuletzt als Kind, da war ich zwölf und allein im Internat in Dresden. Am Anfang ging es noch mit dem Heimweh, aber ab der zweiten Woche wurde es echt schwer. 

Nach dem Auswärtssieg bei Union warst du am Sky-Mikrofon den Tränen zumindest sehr nahe. Was ist da in dir passiert?

Max: Die Tränen sind nicht gelaufen, aber meine Augen waren schon ziemlich wässrig. Da kam einfach viel zusammen, die Erleichterung über den so wichtigen Sieg, meine persönliche Verletzungs-Problematik, und dann erreichst du so eine Marke. Meine Frau hatte mir vorher noch geschrieben, dass ich mehr schätzen soll, was ich habe – und sie hat recht: In einer der stärksten Ligen der Welt so viele Spiele zu machen, und dann noch für einen Verein, das ist etwas ganz Besonderes. Im Alltag wird das irgendwann selbstverständlich, aber genau das sollte es nicht sein.

Mit deiner Einwechslung in der 86. Minute hast du die 400er-Schallmauer durchbrochen. In diesem Moment war aber wahrscheinlich nicht daran zu denken, oder?

Max: Überhaupt nicht. Wir bekommen das Gegentor, und danach wird alles sehr hektisch. Wenn ich es mir hätte aussuchen können, wäre ich lieber beim 2:0 reingekommen, und wir spielen es souverän runter. Aber am Ende ist es egal. Wir haben gewonnen, und das zählt.

Unmittelbar nach dem Spiel hast du noch um Worte gerungen. Mittlerweile sind ein paar Tage vergangen. Wie hast du dein Jubiläum erlebt?

Max: Ich habe viele Nachrichten und auch ein Video mit Botschaften von Freunden und Weggefährten bekommen. Das macht etwas mit dir, aber gleichzeitig ist der Alltag sofort wieder da. Ich war nach dem Spiel direkt zwei Tage allein mit den Kindern. Du hast gar keine Zeit, groß darüber nachzudenken, dass du gerade dein 400. Spiel in der Bundesliga gemacht hast. Ich war damit beschäftigt, den Kids hinterherzurennen (lacht). Es ist ein schöner Moment, auch wenn man diese Zahl so sieht, das ergreift einen schon. Aber zu Hause habe ich dadurch keinen Sonderstatus.

In diesem Video sagt Felix Magath, dass er damals nicht unbedingt damit gerechnet hätte, dass du diese Zahl erreichst. Was hat der junge Max gedacht, als er zum ersten Mal in der Bundesliga aufgelaufen ist?

Max: Erst mal nur: Krass, das ist Bundesliga. Und dann habe ich relativ schnell gemerkt, dass mir noch einiges fehlt. Der erste Einsatz war sehr kurz, und ich war komplett benebelt vom Adrenalin. Am Anfang ist das auch kein Genuss, du bist eher froh, wenn es vorbei ist und du keine Fehler gemacht hast. Dieses Gefühl, wirklich angekommen zu sein, kam erst viel später.

Der Genuss ist immer noch derselbe. Man sagt es oft, aber mit den Fans im Rücken fühlt es sich wirklich wie ein zweites Wohnzimmer an.
Maximilian Arnold

Dein Bundesliga-Debüt hast du am 26. November 2011 auswärts beim FC Augsburg gegeben, dein erstes Heimspiel folgte deutlich später. Erinnerst du dich noch daran?

Max: Da musst du mir helfen.

Wir zeigen Max ein Foto seines Torjubels aus seinem ersten Bundesliga-Heimspiel gegen die TSG Hoffenheim am 13. April 2013.

Max: Ach nee, wirklich? An mein Tor kann ich mich noch erinnern, aber dass es mein erstes Heimspiel war, hätte ich so nicht mehr gewusst. Das zeigt auch ein bisschen, wie viele Spiele da inzwischen zusammengekommen sind.

Wenn du heute in die Volkswagen Arena einläufst – was hat sich verändert?

Max: Der Genuss ist immer noch derselbe. Man sagt es oft, aber mit den Fans im Rücken fühlt es sich wirklich wie ein zweites Wohnzimmer an. Der Platz ist zu jeder Jahreszeit top, die Abläufe sind vertraut, und das gibt dir einfach ein gutes Gefühl.

Von Anfang an mit dabei: deine Frau Jenny. Welche Rolle spielt sie?

Max: Eine extrem große. Wir sind seit 15 Jahren zusammen. Sie war immer dabei und nimmt mich, wie ich bin. Und ich bin nicht einfach. Bei mir ist sehr viel auf den Fußball ausgerichtet – sie trägt das alles mit, auch wenn sie vielleicht nicht immer Lust darauf hat. Das ist für mich eine riesige Unterstützung, denn so kann ich mich voll und ganz auf meinen Job fokussieren. Jenny und die Kinder sind ein absoluter Anker in meinem Leben.

Zurück zum Sportlichen: In der Hauptstadt habt ihr am vergangenen Wochenende endlich den Bann gebrochen. Was hat sich dadurch verändert?

Max: Für die Tabelle war der Sieg enorm wichtig, aber auch für die Köpfe der Jungs. Vorher war vieles angespannt und vielleicht auch ein bisschen verkrampft. Mit dem Sieg haben wir uns ein Stück weit diese Lockerheit zurückgeholt. Das hat man auch unter der Woche im Training gesehen – es war eine ganz andere Energie spürbar.

Jetzt haben wir das vorletzte Heimspiel der Saison gegen Borussia Mönchengladbach vor der Brust. Was braucht es, um in der Volkswagen Arena als Sieger vom Platz zu gehen?

Max: Wir wissen alle, in welcher Situation wir sind. Jetzt geht es darum, alles auszublenden und sich auf dieses eine Ziel zu fokussieren. Wenn hundert Prozent auf dem Platz und von den Rängen kommen, bin ich überzeugt, dass wir das Spiel gewinnen werden.

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