Frauen

„Die Spielerin steht für mich immer im Mittelpunkt“

Rachel Lever über ihre neue Rolle als U20-Cheftrainerin.

Die Vorbereitung auf die neue Saison läuft, und mit Rachel Lever steht eine neue Cheftrainerin an der Seitenlinie der U20-Frauen des VfL Wolfsburg. Im Interview spricht die Engländerin über ihren Start in Wolfsburg, ihre Spielphilosophie und die Entwicklung von Nachwuchsspielerinnen.

Rachel, du warst zuletzt Cheftrainerin der walisischen U16-Frauennationalmannschaft und zuvor im Nachwuchsleistungszentrum von Manchester City tätig. Was hat den VfL Wolfsburg für dich zum richtigen nächsten Schritt gemacht?

Rachel Lever: Ich wollte eine neue Kultur und Sprache kennenlernen und neue Erfahrungen im europäischen Fußball sammeln. Besonders spannend fand ich, zu einem Zeitpunkt zum Verein zu kommen, an dem sich vieles verändert. Gemeinsam mit einem engagierten Team möchten wir diesen neuen Weg gestalten und positive Impulse für das weibliche Nachwuchsleistungszentrum setzen. Außerdem reizt mich die Aufgabe, mit einem jungen Team in einer Seniorenliga zu arbeiten. Dass eine U20-Mannschaft gegen erwachsene Teams antritt, ist ein Modell, für das ich mich schon in England starkgemacht habe. Deshalb bin ich gespannt zu sehen, wie diese Herausforderung die Entwicklung der Spielerinnen positiv beeinflussen kann.

Du hast im Laufe deiner Trainerkarriere bereits unterschiedliche Fußballkulturen kennengelernt. Wie hast du deine ersten Wochen in Wolfsburg erlebt?

Rachel: Ich habe meine ersten Wochen hier wirklich genossen. Im Moment geht es vor allem darum, die Mannschaft, das Trainerteam und die Abläufe im Verein kennenzulernen. Gleichzeitig überlege ich, wo ich meine Ideen einbringen und das Umfeld positiv mitgestalten kann. Auch die Stadt gefällt mir sehr gut. Wolfsburg ist angenehm ruhig und bietet viele schöne Möglichkeiten zum Laufen oder Spazierengehen. Das genieße ich sehr.

Die U20-Frauen sind vergangene Saison aus der 2. Bundesliga abgestiegen. Wie gehst du mit dieser Situation um und welche Ziele hast du für die kommende Spielzeit?

Rachel: Ich glaube, dass die Regionalliga für unsere Entwicklung durchaus eine Chance sein kann. In der 2. Bundesliga verbringt man häufig einen Großteil des Spiels mit Defensivarbeit. Das kann die Entwicklung junger Spielerinnen einschränken, weil wir sie sowohl mit als auch gegen den Ball weiterentwickeln möchten. Ich hoffe deshalb, dass wir in der Regionalliga häufiger unterschiedliche Spielsituationen erleben. Unser oberstes Ziel ist es, die Spielerinnen bestmöglich auf den nächsten Schritt in den Profifußball vorzubereiten.

Wie würdest du deine Trainerphilosophie beschreiben?

Rachel: Für mich steht die Spielerin immer im Mittelpunkt. Es ist unsere Aufgabe, ein Umfeld zu schaffen, das sie bestmöglich unterstützt und ihr hilft, ihr Potenzial auszuschöpfen. Gleichzeitig möchte ich eine positive Teamkultur entwickeln, in der die Spielerinnen Verantwortung übernehmen, Lösungen auf dem Platz finden und gute Entscheidungen treffen. Ich wünsche mir eine Mannschaft, die mutig und mit Überzeugung nach vorne spielt.

Du hast sowohl im Vereins- als auch im Nationalmannschaftsbereich mit jungen Talenten gearbeitet. Worauf kommt es in der Entwicklung junger Fußballerinnen besonders an?

Rachel: Entscheidend ist für mich die Verbindung aus technischer und körperlicher Entwicklung. Die Spielerinnen sollen ihre technischen Fähigkeiten stetig verbessern und lernen, auch unter Druck die richtigen Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig müssen sie körperlich auf die Anforderungen des modernen Fußballs vorbereitet werden, um auf höchstem Niveau bestehen zu können.

Die U20 nimmt beim VfL Wolfsburg eine wichtige Rolle auf dem Weg in die erste Mannschaft ein. Wie unterstützt du die Spielerinnen auf diesem Weg?

Rachel: In dieser Phase ist es wichtig, die Spielerinnen nicht nur sportlich, sondern auch mental bestmöglich zu begleiten. Ihr Weg wird selten geradlinig verlaufen, deshalb braucht es ein starkes Umfeld, das sie unterstützt. Gleichzeitig müssen wir ihre Belastung sinnvoll steuern, ihre Entwicklung kontinuierlich fördern und sicherstellen, dass sie regelmäßig Spielpraxis sammeln. Dazu gehört auch die Weiterentwicklung ihrer taktischen Abläufe und technischen Fähigkeiten, damit sie auf höchstem Niveau bestehen können.

Welchen ersten Eindruck hast du von deiner Mannschaft gewonnen?

Rachel: Ich habe es sehr genossen, die Spielerinnen kennenzulernen – ihre unterschiedlichen Persönlichkeiten und die Art, wie sie als Team zusammenarbeiten. Besonders beeindruckt hat mich ihre Einstellung. Sie arbeiten in jeder Trainingseinheit mit großer Intensität, sind lernwillig und möchten sich ständig verbessern. Wenn wir diesen Weg gemeinsam weitergehen, bin ich überzeugt, dass diese Mannschaft großes Entwicklungspotenzial hat.

Wenn du auf die kommenden Monate blickst: Woran würdest du am Ende deiner ersten Saison festmachen, dass sie erfolgreich war?

Rachel: Für mich hängt Erfolg nicht ausschließlich davon ab, ob wir die Liga gewinnen oder den direkten Wiederaufstieg schaffen. Viel wichtiger ist, dass wir als Team Fortschritte machen und die Prinzipien, die wir der Mannschaft vermitteln möchten, auf dem Platz sichtbar werden. Außerdem wünsche ich mir, dass wir möglichst viele Spielerinnen erfolgreich an den Profifußball heranführen – idealerweise in unsere erste Mannschaft, aber auch darüber hinaus.