Akademie

Die Katze mit olympischem Erbe

Paris, Helsinki, Wolfsburg: Youngster Bruno Katz im Portrait.

Erst seit einem Jahr in Wolfsburg, mit den VfL-Profis schon im Trainingslager – und noch viel vor: Bruno Katz verfolgt große Ziele. Dabei trägt der 17-Jährige nicht nur großes Potenzial in sich, sondern auch ein sportliches Erbe, das bis zu den Olympischen Spielen von 1924 zurückreicht.

Neue Intensität

Fußballerisch ist Katz durch den Schritt nach Deutschland in einer anderen Welt gelandet. „Die Intensität ist deutlich höher. Hier wird mit mehr Tempo und geradliniger gespielt“, beschreibt der Offensivspieler den Unterschied zu seiner Heimat Finnland. Die U19 der VfL-Akademie kennt er bereits aus dem Vorjahr, als er schon als U17-Spieler fest zum Kader von Cheftrainer Daniel Bauer gehörte. In dieser Saison will Katz bei den A-Junioren mehr Verantwortung übernehmen. „Ich hoffe, dass ich eine große Rolle spielen werde. Aber klar: Die muss ich mir verdienen.“ Einen ersten Lohn für seine harte Arbeit hat er bereits erhalten: Katz darf regelmäßig bei den Profis mittrainieren, war bei den Vorbereitungsspielen unter Cheftrainer Paul Simonis und sogar im Trainingslager in Thüringen dabei – zusammen mit Trevor Benedict und Jan Bürger. „Das fühlt sich richtig gut an. Aber ich bin noch längst nicht am Ziel. Das war gerade erst der Anfang.“

Fußball ist Familiensache

Apropos. Begonnen hat alles in Helsinki. Mit drei Jahren spielte Katz beim Stadtteilklub Käpylän Pallo, später wechselte er zu HJK Helsinki – dem größten und erfolgreichsten Klub des Landes. Dass Bruno Katz überhaupt mit dem Fußball begann, verdankt er seinem älteren Bruder Kalle. Der spielte in seiner Jugend ebenfalls bei Käpylän Pallo und ist inzwischen finnischer Meister und dreimaliger Pokalsieger. „Er war und ist mein Vorbild. Ich habe gesehen, was er macht – und wollte es auch machen.“ Die beiden stehen bis heute in engem Austausch. „Wir telefonieren fast täglich. Er schaut sich die Highlights meiner Spiele an, gibt mir Tipps und sagt auch klar, wenn ihm etwas nicht gefällt. Als Innenverteidiger hat er einen anderen Blick auf das Spiel, das hilft mir enorm.“

Geschichtsträchtiger Spitzname

Dass Finnland eher als Eishockey-Nation gilt, nimmt Katz mit Humor: „Ich bin wirklich schlecht, kann nicht einmal richtig Schlittschuh laufen. Das ist als Finne eigentlich eine Schande.“ Dabei ist der sportliche Hintergrund seiner Familie ohnehin außergewöhnlich – und reicht weit über das Fußballfeld hinaus. Ein entfernter Verwandter, Elias Katz, holte 1924 in Paris olympisches Gold für Finnland im 3.000-Meter-Mannschaftslauf. „Ich kenne die Geschichte natürlich – das ist schon echt cool“, sagt Bruno. Dass Elias vor seiner Leichtathletik-Karriere selbst Fußball für Turku Makkabi spielte, erfuhr er erst kürzlich. Eine weitere Gemeinsamkeit: der Spitzname „Die Katze“. „Unser Reha- und Athletiktrainer in der Akademie, Oliver Mutschler, hat mich so genannt – und dann hat es sich einfach durchgesetzt.“

Unvorhersehbar mit klarer Vision

Auf dem Platz ist Katz schwer zu fassen – im positiven Sinne. Kreativ, torgefährlich, „unvorhersehbar“, wie er selbst sagt. Derzeit arbeitet er besonders an seiner Physis und Ausdauer. „Die Einheiten bei den Profis hatten es in sich und haben mir klar gezeigt, wo noch Luft nach oben ist. Dort ist auch die Konstanz entscheidend: Du musst in jedem Training, in jedem Spiel dein höchstes Niveau bringen.“ Seine Ziele formuliert er klar. „Ich will mein Bundesliga-Debüt feiern“, sagt er ohne Zögern. Und mit Finnlands U19 zur Europameisterschaft. „Dass sich Finnland qualifiziert, kommt nicht so oft vor – umso mehr wollen wir das schaffen.“ Seit der U15 trägt Katz das Trikot der finnischen Nachwuchsnationalmannschaften, bislang stehen 32 Einsätze (elf Tore) auf seinem Konto – und im vergangenen Jahr wurde er sogar als Nachwuchsspieler des Jahres ausgezeichnet. 

Verstärkung aus der Heimat

Der Wechsel nach Wolfsburg war für Katz ein wichtiger Baustein auf diesem Weg. Was ihm an seiner neuen Heimat besonders gefällt? „Ich kann mich voll und ganz auf den Fußball konzentrieren – das ist nicht selbstverständlich“, sagt Katz. In der VfL-Akademie lebt er gemeinsam mit vielen anderen Talenten unter einem Dach. Seit kurzem ist auch Landsmann Otto Paananen dazugestoßen, was ihn sehr freut. „Es ist schön, ab und zu mal wieder Finnisch zu sprechen.“