Fußball ist Familiensache
Apropos. Begonnen hat alles in Helsinki. Mit drei Jahren spielte Katz beim Stadtteilklub Käpylän Pallo, später wechselte er zu HJK Helsinki – dem größten und erfolgreichsten Klub des Landes. Dass Bruno Katz überhaupt mit dem Fußball begann, verdankt er seinem älteren Bruder Kalle. Der spielte in seiner Jugend ebenfalls bei Käpylän Pallo und ist inzwischen finnischer Meister und dreimaliger Pokalsieger. „Er war und ist mein Vorbild. Ich habe gesehen, was er macht – und wollte es auch machen.“ Die beiden stehen bis heute in engem Austausch. „Wir telefonieren fast täglich. Er schaut sich die Highlights meiner Spiele an, gibt mir Tipps und sagt auch klar, wenn ihm etwas nicht gefällt. Als Innenverteidiger hat er einen anderen Blick auf das Spiel, das hilft mir enorm.“
Geschichtsträchtiger Spitzname
Dass Finnland eher als Eishockey-Nation gilt, nimmt Katz mit Humor: „Ich bin wirklich schlecht, kann nicht einmal richtig Schlittschuh laufen. Das ist als Finne eigentlich eine Schande.“ Dabei ist der sportliche Hintergrund seiner Familie ohnehin außergewöhnlich – und reicht weit über das Fußballfeld hinaus. Ein entfernter Verwandter, Elias Katz, holte 1924 in Paris olympisches Gold für Finnland im 3.000-Meter-Mannschaftslauf. „Ich kenne die Geschichte natürlich – das ist schon echt cool“, sagt Bruno. Dass Elias vor seiner Leichtathletik-Karriere selbst Fußball für Turku Makkabi spielte, erfuhr er erst kürzlich. Eine weitere Gemeinsamkeit: der Spitzname „Die Katze“. „Unser Reha- und Athletiktrainer in der Akademie, Oliver Mutschler, hat mich so genannt – und dann hat es sich einfach durchgesetzt.“
Unvorhersehbar mit klarer Vision
Auf dem Platz ist Katz schwer zu fassen – im positiven Sinne. Kreativ, torgefährlich, „unvorhersehbar“, wie er selbst sagt. Derzeit arbeitet er besonders an seiner Physis und Ausdauer. „Die Einheiten bei den Profis hatten es in sich und haben mir klar gezeigt, wo noch Luft nach oben ist. Dort ist auch die Konstanz entscheidend: Du musst in jedem Training, in jedem Spiel dein höchstes Niveau bringen.“ Seine Ziele formuliert er klar. „Ich will mein Bundesliga-Debüt feiern“, sagt er ohne Zögern. Und mit Finnlands U19 zur Europameisterschaft. „Dass sich Finnland qualifiziert, kommt nicht so oft vor – umso mehr wollen wir das schaffen.“ Seit der U15 trägt Katz das Trikot der finnischen Nachwuchsnationalmannschaften, bislang stehen 32 Einsätze (elf Tore) auf seinem Konto – und im vergangenen Jahr wurde er sogar als Nachwuchsspieler des Jahres ausgezeichnet.
Verstärkung aus der Heimat
Der Wechsel nach Wolfsburg war für Katz ein wichtiger Baustein auf diesem Weg. Was ihm an seiner neuen Heimat besonders gefällt? „Ich kann mich voll und ganz auf den Fußball konzentrieren – das ist nicht selbstverständlich“, sagt Katz. In der VfL-Akademie lebt er gemeinsam mit vielen anderen Talenten unter einem Dach. Seit kurzem ist auch Landsmann Otto Paananen dazugestoßen, was ihn sehr freut. „Es ist schön, ab und zu mal wieder Finnisch zu sprechen.“