Männer

„Die Initialzündung meiner Karriere“

Ex-Wolf Cedric Makiadi über sein allererstes Profitor, das in Wolfsburg unvergessen ist.

Unter anderen Umständen hätte man feierlich zurückschauen können. So ist es eher ein schiefes Jubiläum, das sich hinter der Paarung VfL Wolfsburg gegen 1. FC Kaiserlautern verbirgt. Denn vor recht genau 20 Jahren, als sich diese Teams ebenfalls in der Volkswagen Arena duellierten, ging es für die Wölfe wie für die Roten Teufel im Bundesliga-Saisonfinale um alles. Wer es damals schon mit Grün-Weiß hielt, der verbindet diese Paarung mit Cedric Makiadi, der den VfL beim dramatischen 2:2 mit einem Treffer plus einer Torvorlage fast im Alleingang in der Liga hielt. Kurz vor der Neuauflage blickt der 42-Jährige, der zwischen 2002 und 2008 für verschiedene VfL-Teams auf 153 Pflichtspiele kam und mittlerweile die U23 Werder Bremens betreut, auf den Kellerkrimi im Mai 2006, in dem er seinen Durchbruch feierte, zurück.

Cedric Makiadi, dieses Interview ist eine dankbare Aufgabe. Dein Name hat in Wolfsburg nämlich noch einen sehr guten Klang.

Cedric Makiadi: Oh, tatsächlich? Nach so langer Zeit? Ehrlich gesagt überrascht mich das etwas. Aber das ist natürlich schön zu hören!

Zu tun hat das in erster Linie mit deinem Auftritt im Abstiegskrimi 2006 gegen Kaiserslautern. Wie hat sich das aus deiner Sicht abgespielt?

Cedric: Das weiß ich natürlich noch genau. Wir hatten schon die ganze Woche eine gewisse Anspannung gespürt. Nicht nur in der Mannschaft, auch im privaten Umfeld. Und als das Spiel kam, haben sich die Ereignisse dann für mich überschlagen. Wir lagen mit 0:1 hinten. Zur Pause kam ich rein und habe mir als junger Spieler gar keine Gedanken gemacht. Was ein Abstieg bedeuten würde, darüber hatte ich mir, obwohl mir die Bedeutung des Spiels natürlich völlig klar gewesen ist, den Kopf nicht zerbrochen. Vielleicht war das ein Vorteil: Ich habe einfach versucht, Fußball zu spielen, meine Leistung zu bringen und den Rückstand auszubügeln. Das hat ganz gut funktioniert.

Man könnte auch sagen: Du hast den VfL mit deinem Ausgleichstreffer und deiner Vorlage zum 2:1 in der Liga gehalten. Du warst damals 22 Jahre alt und schon einige Jahre im Verein, bei den Profis aber kaum zum Zug gekommen. Kein so schlechter Moment für das erste Bundesligator.

Cedric: Völlig richtig (lächelt). Das erste Profitor am letzten Spieltag mit solch einem Rahmen – besser geht es eigentlich nicht. Es hat mich wirklich stolz gemacht, diese tragende Rolle ausfüllen zu dürfen. Bis heute ist das so. Wobei mir die Tragweite damals erst in den Tagen danach bewusst geworden ist.

Stimmt es, dass du dich vor deiner Einwechslung beeilen musstest, um von der Toilette zu kommen ?

Cedric: Ja, das war tatsächlich so. Als es zur Halbzeit in die Kabine ging, gab es noch keinen Hinweis, dass ich eingewechselt werden würde. Normalerweise bekommt man vom Athletiktrainer oder dem Assistenten ein Signal. Vielleicht hatten sie mich auch nicht gesehen, weil ich direkt reingerannt bin. Aber als ich von der Toilette kam, stand Klaus Augenthaler schon bereit, um mich abzufangen.

Wenn man vorher eher unter dem Radar lief und dann solch ein Fußballmärchen erlebt, dann muss man wohl platzen vor Selbstvertrauen. Wie bist du damit umgegangen?

Cedric: Da ist schon was dran. Bis dahin hatte ich die Rolle eines Talents. Unter Eric Gerets war ich zwar auch schon auf einige Einsatzminuten gekommen. Aber der große Durchbruch stand noch aus. Dieses Spiel hat mir dann gezeigt: Ich kann hier bestehen. Für meine weitere Karriere war das wie eine Initialzündung. Und zumindest in der Folgesaison bin ich dann ja auch Stammspieler gewesen.

Insgesamt muss dein Verhältnis zum VfL ein merkwürdiges sein. Du bist offizieller Vereinsheld, hast in Wolfsburg aber letztlich nie dauerhaft deinen Platz gefunden. Denn nachdem Klaus Augenthaler weg war, kamst du kaum noch zum Zug.

Cedric: Unter Felix Magath sind meine Einsatzzeiten dann in der Tat auf Null runtergegangen. Insgesamt habe ich aber ja sechs Jahre in Wolfsburg gespielt, also eine recht lange Zeit. Mit der U19 sind wir damals Staffelsieger geworden, mit der U23 in die Regionalliga aufgestiegen. Und im Profibereich habe ich mich meiner Meinung nach auch gut entwickelt. Magath kam dann mit neuen Ideen und hat Spieler geholt, die besser in sein Konzept gepasst haben. Für mich war es natürlich traurig, dass es so zu Ende ging. Trotzdem hatte ich unterm Strich beim VfL eine erfolgreiche Zeit. Und glücklicherweise ist meine Laufbahn woanders ja auch positiv weiterverlaufen.

Im Sommer 2008 hast du dich, eigentlich sehr erfolgreich, nach Duisburg verleihen lassen, bist dort sogar Zweitligatorschützenkönig geworden. Allerdings musstest du aus der Ferne auch erleben, wie dein Stammverein deutscher Meister wird. Wie war das für dich?

Cedric: Ich war damals sehr klar in meiner Entscheidung, weil es um meine Karriere ging und ich vorwärtskommen musste. Duisburg war als Station für mich super, weil ich so wieder neu auf mich aufmerksam machen konnte. Dass der VfL genau in dieser Phase dann durchgestartet ist, darüber habe ich mich ehrlich gefreut, vor allem für den einen oder anderen Mitspieler. Ich habe da überhaupt keinen Groll gespürt, zumal mein persönlicher Schritt ja trotzdem goldrichtig gewesen ist.

Nach Ende der Leihe kamst du zurück und hattest noch ein Jahr Vertrag. Man sagt, dass Armin Veh dich eigentlich gern behalten wollte.

Cedric: Richtig. Wir hatten damals ein gutes Gespräch, in dem er mir das in Aussicht gestellt hat. Bestimmt hätte ich auch wieder mehr Einsatzzeiten bekommen. Es hat sich an dieser Stelle aber richtig angefühlt, etwas komplett Neues zu machen. Deshalb bin ich zum SC Freiburg gegangen.

Gab es danach nochmal Berührungspunkte mit dem VfL Wolfsburg?

Cedric: Die hat es immer gegeben. In der ersten Zeit zum Beispiel zu Pablo Thiam, der ja noch länger in Wolfsburg geblieben ist. Auch mit einigen anderen Mitspielern von damals war ich noch eine Weile im Austausch. Irgendwelche Schnittmengen hat man in der Branche ja immer. Zum Beispiel habe ich bei einem Lehrgang kürzlich Christian Gentner getroffen, mit dem ich damals noch beim VfL zusammengespielt habe. Über die Jahre sind die Kontakte nach Wolfsburg aber sicherlich weniger geworden.

Hat es trotzdem etwas mit dir gemacht, als der VfL vor ein paar Wochen nun doch absteigen musste?

Cedric: Wenn man eine gemeinsame Vergangenheit hat und auch weiß, was einem ein Klub gegeben hat, dann sympathisiert man zwangsläufig mit einem Verein. Insofern habe ich den Abstiegskampf natürlich verfolgt und die Daumen gedrückt, dass es für den Klassenerhalt reicht. Dass es in die andere Richtung ging, hat mich berührt.

Am Samstag heißt es nach längerer Zeit nun also wieder VfL Wolfsburg gegen Kaiserslautern. Hättest du auch ohne unseren Anruf bei dieser Paarung an dein Tor von damals gedacht?

Cedric: Als ich gehört habe, dass der VfL gegen Lautern startet, kamen tatsächlich die Erinnerungen wieder hoch. Vor allem dachte ich: ‚Wow, das Spiel ist schon 20 Jahre her.‘ Ich freue mich auf jeden Fall, dass der Auftakt am Samstagabend stattfinden wird. Da wir mit Werders U23 erst am Sonntag im Einsatz sind, werde ich zu Hause sein und kann die Partie zum Glück live verfolgen.

Zum Matchcenter