Von Rückschlägen und Rekorden: Das ist Fraser Hornby.
Unser Neuzugang Fraser Hornby weiß, wie schnell sich im Fußball alles verändern kann. Der schottische Stürmer wurde zum Rekordtorschützen der U21-Nationalmannschaft seines Landes, erlebte wenige Jahre später den schwierigsten Abschnitt seiner Profikarriere und fand dadurch zu neuer Stärke.
Stillstand ist keine Option
Wer Hornby zum ersten Mal sieht, erwartet nicht unbedingt einen Spieler, der Geschwindigkeiten von über 32 km/h erreicht. Mit seiner Körpergröße von 1,95 Metern wirkt der Schotte eher wie ein klassischer Zielspieler. Doch er ist weitaus mehr als das. Hornby ist permanent in Bewegung, ob zwischen den Linien oder auf dem Weg in die Tiefe. Er sucht Räume und setzt gegnerische Verteidiger früh unter enormen Druck.
„Ich bin ein Spieler, der sich an verschiedene Situationen anpassen kann und viel Energie und Intensität ins Spiel bringt“, beschreibt sich der 26-Jährige. Ganz egal, ob als Mittelstürmer, hängende Spitze oder Zehner: Er will Tore erzielen und vorbereiten, einfach der Mannschaft helfen. Dafür lässt er alles auf dem Platz.
Malerisches Comeback
Hornby fühlt sich besonders wohl, wenn er mit einem zweiten Stürmer an der Seite agiert. Gemeinsam mit Isac Lidberg bildete er in der vergangenen Saison das gefährlichste Sturmduo der 2. Bundesliga. Zusammen erzielten die beiden 28 Treffer für den SV Darmstadt 98, elf davon steuerte Hornby bei.
Dass er für die Lilien einmal solche Zahlen schreiben würde, war nach seinem Wechsel von Stade Reims im Sommer 2023 zunächst nicht abzusehen. Nach sieben Bundesliga-Einsätzen – sechs davon als Joker – ohne eigenen Treffer wurde er von einer Sprunggelenksverletzung ausgebremst. Der Stürmer verpasste den Rest der Saison (darunter beide möglichen Duelle mit den Wölfen) und musste mitansehen, wie Darmstadt als Aufsteiger die Bundesliga nach nur einem Jahr wieder verlassen musste.
Eine Frage der Perspektive
Rückblickend bezeichnet Hornby diese Phase als „das schwierigste Jahr meiner Profikarriere“. Um die Situation zu verarbeiten, nahm er bewusst Abstand vom Fußball und setzte sich intensiv mit sich selbst auseinander. Unterstützung fand er dabei unter anderem in Gesprächen mit einem Sportpsychologen, die ihm halfen, seine Gedanken zu ordnen und neue Perspektiven zu entwickeln.
Es ist ein gutes Gefühl,
die Kontrolle über Geist und Körper zu haben.
Fraser Hornby„Ich bin eine Person, die sehr viel von sich erwartet“, sagt Hornby in einem Interview auf den Kanälen des SV Darmstadt. Lange Zeit habe ihn dieser hohe Anspruch eher gebremst als angetrieben. Nach seiner Rückkehr auf den Platz habe sich jedoch vieles leichter angefühlt. „Ich habe gelernt, diese Gedanken ins Positive zu wandeln. Es ist ein gutes Gefühl, die Kontrolle über Geist und Körper zu haben.“
Schottlands U21-Rekordtorschütze
Dass Hornby weiß, wo das Tor steht, ist nicht erst seit seiner Zeit in Darmstadt bekannt. Im Oktober 2020 schrieb der Stürmer sogar schottische Fußballgeschichte, als er mit einem Dreierpack gegen San Marino zum Rekordtorschützen der U21-Nationalmannschaft seines Landes avancierte. Mit zehn Treffern in 17 Länderspielen stellte er eine Bestmarke auf, die bis heute Bestand hat.
Schottische Spieler waren beim VfL bislang eine Seltenheit. Hornbys einziger Vorgänger ist Brian O’Neil. Der frühere Innenverteidiger wechselte 1998 vom FC Aberdeen zum VfL und bezeichnete seine Zeit in Wolfsburg später als „die beste Erfahrung meines Lebens“. Auch Hornby verbindet etwas mit dem schottischen Traditionsklub: Als Leihgabe von Stade Reims absolvierte er im Jahr 2021 zehn Pflichtspiele für Aberdeen.
Mit Erfahrung und Treffsicherheit
Deutlich mehr Erfahrung sammelte Hornby dagegen in der 2. Bundesliga. In 53 Einsätzen erzielte er 23 Tore und bereitete elf weitere Treffer vor. Die Besonderheiten der Liga kennt er daher bestens. „Jeder kann jeden schlagen“, weiß Hornby, der nach den ersten Gesprächen schnell wusste, dass Wolfsburg das nächste Kapitel seiner Karriere werden sollte.