Männer

Das zweite erste Mal

Dieter Hecking ist zurück.

Fast eine Dekade ist seit dem Ende von Dieter Heckings erster Phase als Trainer beim VfL nun vergangen. 4.819 Tage liegen am Montag zwischen seinem ersten Arbeitstag beim VfL Wolfsburg und seinem zweiten ersten Arbeitstag als neuer Cheftrainer. „Es sind zehn Jahre Unterschied – man darf die damalige Zeit nicht mit der jetzigen vergleichen. Es ist viel passiert – bei mir und im Verein“, sagt Hecking bei Wölfe TV. Trotzdem sei das Gefühl direkt wieder da gewesen. „Als ich gekommen bin und über den Mittellandkanal gefahren bin, war sofort das ‚Feeling‘ wieder da, das ich vor zehn Jahren schon gehabt habe. Ich habe mich hier sehr, sehr wohl gefühlt.“ 

„Schnell stabilisieren“

Als Hecking den Pressekonferenzraum betritt und zwischen Dr. Sebastian Rudolph, Vorsitzender des Aufsichtsrats, sowie VfL-Sportdirektor Pirmin Schwegler Platz nimmt, ist es ein Stück weit ein gewohntes Gefühl – und doch ist die Situation eine völlig andere als damals. „Die Lage ist nicht gut, sonst wäre ich nicht hier“, ist einer der ersten Sätze, die Hecking an die Journalisten im prall gefüllten Medienraum richtet. Gleichzeitig stellt er klar: „Ich bin kein Feuerwehrmann.“ Seit seiner damaligen Amtszeit habe er den VfL regelmäßig verfolgt. In den vergangenen Wochen sei dies noch einmal intensiver geworden. „Als Trainer musst du dich jede Woche informieren“, erklärt der alte und neue Grün-Weiße und ergänzt: „Die Ergebnisse des VfL Wolfsburg haben mich nach wie vor interessiert.“

Ob Hannover, Nürnberg, Mönchengladbach oder eben auch Wolfsburg – die Ausgangslagen bei Heckings bisherigen Trainerstationen seien immer sehr ähnlich gewesen. „Es war immer die gleiche Situation: möglichst schnell stabilisieren und dann etwas aufbauen.“

Fördern und Fordern

Der Trainer der Pokalsiegermannschaft von 2015 habe bereits eine Vorstellung, woran es der Mannschaft fehlen würde. „Die Menschen, die jetzt in dieser Situation sind, haben vor ein paar Monaten nicht unbedingt in Erwägung gezogen, in so einer Situation zu sein“, erklärt er. „Wir müssen an die Psyche ran. Angst hemmt, aber wir sollten trotzdem den Mut haben, nach Hoffenheim zu fahren und das Spiel zu gewinnen.“

Für das Auswärtsspiel gebe es keine Ausreden mehr. Es gehe darum, „die bestmögliche Performance“ abzuliefern und die „Köpfe frei zu kriegen“. „Und wieder Lust an diesem fantastischen Spiel zu finden, das ich seit über 50 Jahren liebe. Wenn mir das gelingt, dann klickt es auch bei den Spielern.“ Heckings Anforderungen an seine Spieler sind klar: „Wir wollen sie fördern, aber sie sind auch gefordert. Und sie müssen bereit sein, diese Forderung zu erbringen. Wenn sie das schaffen, dann darf jeder gerne mitarbeiten.“ Außerdem wird bis auf Weiteres auch Julian Klamt, einer der bisherigen Assistenten, das Trainerteam weiterhin unterstützen.

Bindeglied Benaglio

In Bochum, seiner vorherigen Station, war der 61-Jährige neben der Trainerfunktion auch als Geschäftsführer tätig. Diese Position wolle er beim VfL Wolfsburg bewusst nicht ausüben, um sich gänzlich auf seine Traineraufgaben zu fokussieren. Als Bindeglied habe sich Diego Benaglio zur Verfügung gestellt. „Vom Aufsichtsrat zurück auf den Platz“, kommentiert es Dr. Sebastian Rudolph auf der Pressekonferenz. Jener Benaglio also, den Hecking in seiner ersten Amtszeit einst auf die Bank gesetzt hatte. „Er hat mir diese Anekdote erzählt – es war mir gar nicht so bewusst, dass ich ihn aus dem Tor genommen habe“, sagt der neue Cheftrainer auf Nachfrage mit einem Schmunzeln. Mit nach Wolfsburg kommen Frank Geideck und Murat Ural als Assistenztrainer von Hecking. Mit Geideck arbeitete er bei Borussia Mönchengladbach, mit Ural in Bochum. Alte Bekannte in einem alten Umfeld – in einer neuen Konstellation. Außerdem wird bis auf Weiteres auch Julian Klamt, einer der bisherigen Assistenten, das Trainerteam weiterhin unterstützen.

„Verspielten Kredit wieder zurückholen“

Auch das Zusammenspiel zwischen Fans und Mannschaft war am Montagmittag ein Thema auf der Pressekonferenz. Die Diskussionen über den VfL habe Hecking beobachtet und teilweise als sehr oberflächlich empfunden. „Der VfL hat vielleicht nicht die größte Fanbasis, aber eine, die genauso leidenschaftlich lebt wie Vereine mit deutlich mehr Fans.“ In der jetzigen Phase sehe er aber, das betonte Hecking deutlich, vor allem die Mannschaft in der Verantwortung. „Wenn wir die Ergebnisse und Leistungen liefern, weiß ich, dass die Kurve wieder da ist. Und dass dann auch die Fans mit dieser Leidenschaft da sind, um uns zum gemeinsamen Ziel zu führen.“ Und weiter: „Es liegt an uns, diesen verspielten Kredit wieder zurückzuholen.“