Frauen

„Das größte Spiel des Jahres“

Im Interview: Janina Minge vor dem DFB-Pokalfinale gegen den FC Bayern München.

Mit dem DFB-Pokalfinale in Köln wartet auf die Frauen des VfL Wolfsburg das große Highlight der Saison. Im Endspiel trifft das Team auf den FC Bayern München – ein Duell zweier Top-Mannschaften vor beeindruckender Kulisse im ausverkauften RheinEnergieStadion. Janina Minge hat bereits zwei Pokalfinals erlebt und kennt die besondere Atmosphäre. Im Interview spricht die 26-Jährige über ihre Erinnerungen, den besonderen Reiz des Finals und den großen Traum vom Titel.

Janina Minge, 2019 hast du mit Freiburg dein erstes Pokalfinale gegen den VfL Wolfsburg gespielt und 0:1 verloren. Welche Erinnerungen hast du an dieses Spiel?

Janina Minge: Trotz der Niederlage sind es durchweg positive Erinnerungen. Für uns als SC Freiburg war es das erste Pokalfinale überhaupt und für viele von uns auch das erste Mal, vor so einer Kulisse zu spielen. Das war etwas ganz Besonderes. Ich erinnere mich noch gut daran, wie viele Fans uns begleitet haben – Familien, Freunde, aber auch ganz viele Freiburgerinnen und Freiburger. Man hat gespürt, dass eine ganze Stadt hinter uns steht. Darauf waren wir damals unglaublich stolz.

Vier Jahre später gab es die gleiche Paarung – und diesmal hast du selbst getroffen. Welchen Stellenwert hat dieses Spiel für dich rückblickend?

Janina: Einen sehr großen. Wir hatten in diesem Spiel wirklich das Gefühl, dass wir es schaffen können, den Pokal nach Freiburg zu holen. Nach meinem Tor waren das brutale Emotionen – auch, weil wieder viele Familienmitglieder von mir im Stadion waren. Die Stimmung war überragend, das Stadion war ausverkauft. Dieses Spiel war ein absolutes Highlight, das ich ganz sicher nie vergessen werde.

Was konntest du aus diesen beiden Endspielen mitnehmen – auch mit Blick darauf, dass es für einige Spielerinnen im aktuellen Team das erste Finale sein wird?

Janina: Es ist einfach ein Spiel, das es so kein zweites Mal gibt. Dieser Rahmen in Köln ist einzigartig. Ein Pokalfinale, noch dazu Wolfsburg gegen Bayern – größer wird es in Deutschland kaum. Man merkt, dass ganz Köln und ein Stück weit die gesamte Liga auf dieses Spiel schauen. Diese besondere Energie muss man aufsaugen und mitnehmen. Und ganz wichtig: Man muss sich bewusst machen, dass in so einem Spiel alles möglich ist.

Was macht dieses Finale in Köln so besonders?

Janina: Für mich ist es auf jeden Fall das größte Spiel des Jahres. Man fährt meistens schon ein, zwei Tage vorher nach Köln und merkt, wie sehr sich die ganze Stadt auf dieses Spiel freut. Spätestens am Spieltag dreht sich auf dem Weg zum Stadion alles nur um dieses Finale. Dazu kommen viele Familienangehörige und Freunde – nicht nur von mir, sondern von der ganzen Mannschaft. Es ist ein Fußballfest und etwas ganz Besonderes, Teil davon zu sein.

Das Pokalfinale hat in Deutschland einen besonderen Stellenwert. Spürt man das auch rund um das Spiel?

Janina: Auf jeden Fall. Auch wenn man als Spielerin vieles nur am Rande mitbekommt, merkt man, wie besonders dieser Tag ist. Die ganze Stadt scheint sich auf dieses Spiel zu freuen, das Stadion ist voll, die Aufmerksamkeit riesig. Das macht dieses Finale so einzigartig.

Was bedeutet dieser Rahmen vielleicht auch für junge Fans?

Janina: Gerade an so einem Tag wird einem nochmal bewusst, wie viele Kinder und vor allem junge Mädchen zuschauen und zu uns aufblicken. Viele träumen davon, selbst einmal dort auf dem Platz zu stehen. Das macht das Ganze nochmal besonderer und auch emotionaler. Es ist einfach schön zu sehen, welche Wirkung dieser Sport und solche Spiele haben können.

Ist es für dich ein bisschen nach dem Motto: Aller guten Dinge sind drei?

Janina: Wenn man es sich schönreden möchte, kann man das natürlich so sehen. Aber grundsätzlich hat man in jedem Finale die Chance, zu gewinnen. Es ist ein Spiel, das man unbedingt gewinnen will – und auch gewinnen kann. Fußball ist ein verrückter Sport, in dem alles passieren kann. Aber wir wollen uns auch nicht kleiner machen, als wir sind.

Der VfL Wolfsburg ist Rekordpokalsieger. Spürt man im Verein, dass dieser Wettbewerb eine besondere Rolle spielt?

Janina: Auf jeden Fall. Als ich mit Freiburg im Pokalfinale stand, war es fast unmöglich, Wolfsburg im Pokal zu schlagen. Der VfL und der Pokal, das hat schon eine eigene Geschichte. Letztes Jahr sind wir im Viertelfinale ausgeschieden, und man hat gemerkt, wie sehr das viele getroffen hat. Der Pokal gehört irgendwie zu Wolfsburg – und genau deshalb wollen wir ihn zurückholen.

Du hast die Rolle des Underdogs angesprochen – wie bewertest du diese Ausgangslage?

Janina: Wenn man viele Menschen fragt, gehen wahrscheinlich die meisten davon aus, dass Bayern den Pokal gewinnt. Von daher haben wir vielleicht die Rolle des Underdogs. Aber wir wollen zeigen, dass es nicht so ist. Dass Bayern uns nicht so viel voraus ist, wie es manchmal dargestellt wird. Wir sind auch da und wollen weiterhin um Titel mitspielen.

Gefällt dir diese Rolle vielleicht sogar ein Stück weit?

Janina: Man hat in dieser Rolle nichts zu verlieren. Das kann auch ein Vorteil sein. Wir können befreit aufspielen und alles reinwerfen.

In der Liga gab es zwei Niederlagen gegen Bayern. Wie kann man diese Mannschaft schlagen?

Janina: Natürlich braucht man einen sehr guten Tag. Aber Bayern ist keine Übermacht. Gerade das letzte Spiel hat mir ein gutes Gefühl gegeben. Wenn wir unsere Fehler abstellen und mutig Fußball spielen, können wir unsere DNA auf den Platz bringen. Wenn wir das über 90 oder vielleicht sogar 120 Minuten schaffen, dann ist Bayern auf jeden Fall zu schlagen.

Spielt die aktuelle Form in so einem Finale überhaupt eine Rolle?

Janina: Ich glaube, das ist völlig egal. In einem Finale wird alles auf null gedreht. Beide Teams hatten eine intensive Saison mit vielen englischen Wochen. Es ist ein Spiel – und im Pokal ist immer alles möglich.