Aus Verl kanntest du ja auch schon Tobias Strobl. Wie ist es für dich, nun wieder mit ihm zusammenzuarbeiten?
Alessio: Das ist natürlich super. Wir waren davor logischerweise schon im Austausch. Schon in Verl, als das erste Interesse aus Wolfsburg aufkam, habe ich mit ihm darüber geredet. Nach meinem Urlaub habe ich von ihm erfahren, dass der Wechsel zum VfL fix ist und habe mich extrem für ihn gefreut. Das waren natürlich Pluspunkte, die für meinen Wechsel nach Wolfsburg gesprochen haben. Wir haben ein paar Mal telefoniert, und er hat gesagt, dass er es schön finden würde, wenn wir wieder zusammenarbeiten könnten. Von meiner Seite war das natürlich auch so. Umso glücklicher bin ich, dass es so gut geklappt hat.
Wie war seine Reaktion?
Alessio: Nachdem ich mich entschieden hatte, habe ich ihn noch am gleichen Tag angerufen. Er hat sich sehr gefreut. Natürlich ist es von Vorteil, wenn man den Trainer kennt und weiß, dass der Trainer einen haben möchte.
Du kommst aus einer Sportfamilie. Nicht nur dein Bruder spielt Fußball, auch dein Vater und dein Großvater waren als Profifußballer bei St. Gallen und dem FC Uzwil aktiv. War es da überhaupt möglich, am Sport vorbeizukommen?
Alessio: Und meine Mama kommt aus dem Handball …Aber ich war immer recht frei in meiner Entscheidungsfindung und wurde keinesfalls gezwungen, Fußball zu spielen (lacht). Wie viele meiner Freunde habe ich zunächst im Verein angefangen. Das hat mir viel Spaß gemacht. Mit neun Jahren kam dann der Wechsel nach St. Gallen.
Wie sah dein Alltag aus, bevor du dorthin gewechselt bist?
Alessio: Als wir klein waren, waren mein Bruder und ich oft draußen. Das war immer das Schönste nach der Schule. Am liebsten haben wir natürlich Fußball gespielt, aber auch sonst ging es bei uns viel um allgemeine Bewegung. Wir haben immer viel Zeit miteinander verbracht und viel mit dem Ball gespielt. Je älter wir wurden, desto mehr wuchs das Interesse am Fußball. Wir hatten eine Fußballwiese in der Nähe. Dort war ich eigentlich immer, wenn ich Zeit hatte. Egal, wann und mit wem.
Was war das für eine Fußballwiese?
Alessio: Die Fußballwiese war zu Fuß nur ein, zwei Minuten entfernt, also gleich um die Ecke. Das war nichts Professionelles, sondern einfach ein Rasen mit zwei Mini-Toren. Alle Kinder aus der Umgebung waren dort im Sommer. Das war bei uns der Ort, an dem man sich getroffen hat, vor allem bei schönem Wetter.
Wie viele wart ihr dort in der Regel?
Alessio: Das war immer unterschiedlich. An einem Mittwochnachmittag, wenn wir schulfrei hatten, oder an einem Sonntag waren es zehn bis 20 Leute. Wenn es geregnet hat, war ich meist allein oder wir waren zu zweit dort.
War das deine erste Berührung mit dem Fußball?
Alessio: Ich habe schon noch ein paar Erinnerungen an meinen Stammverein FC Gossau. Gerade an die Turniere, bei denen ich mit meinem besten Freund aus der Heimat war. Mit ihm habe ich heute noch einen engen Austausch. Damals stand der Spaß absolut im Vordergrund. Ich habe es geliebt, dorthin zu gehen. Wir hatten immer samstags, aber auch oft sonntags, Turniere. Dazu zählen auch Hallenturniere im Winter, aber gerade, wenn wir draußen gespielt haben, war das ein Highlight für mich.
Hat sich dort der Traum in dir festgesetzt, Profifußballer zu werden?
Alessio: Auf jeden Fall. Ich war schon ziemlich früh Fan von St. Gallen. Es war schon immer mein Traum, solchen Fußball zu spielen. Fußballer zu werden – das habe ich so sehr bewundert: im Stadion spielen zu dürfen, den Tag und das Leben dem Fußball zu widmen. Mir wurde schnell klar, dass ich das machen will.
Du bist der erste in deiner Familie, der in Deutschland Fußball spielt. Wie fühlt sich das an?
Alessio: Ich fand es immer cool, im Ausland spielen zu können. Die Schweiz ist auch toll, aber wenn man ein Angebot hat und nach Deutschland gehen kann, ist das schon etwas Spezielles. Der deutsche Fußball ist noch einmal einen Schritt weiter und professioneller. Gleichzeitig bin ich aber froh, dass der Kontakt und die Unterstützung von meiner Familie nach wie vor sehr groß sind, auch wenn dazwischen eine große Distanz liegt. Aber der Fußball an sich ist gleich: Es geht ums Gewinnen, es geht um das Team.
Haben deine Gene da vielleicht auch einen gewissen Einfluss gehabt?
Alessio: Nein. Klar hat sich meine Familie sehr darüber gefreut, dass ich – oder besser gesagt: mein Bruder und ich – Spaß am Fußball hatte beziehungsweise hatten. Hätte ich aber einen anderen Sport machen oder lieber ein Instrument spielen wollen, wäre das auch kein Problem gewesen.
Hast du dir mit deinem Bruder eine ähnliche Spielweise angeeignet?
Alessio: Wir sind beide Offensivspieler, aber ich bin mehr auf dem Flügel aktiv, während er eher ein zentraler Stürmer ist. Was uns verbindet, ist der Abschluss mit rechts und links, weil wir früh viel zusammen mit Papa geübt haben. Wir waren häufig zu dritt auf dem Fußballplatz und haben das geübt.
Inwiefern unterscheidet ihr euch?
Alessio: Ich komme mehr über die Schnelligkeit und über das Eins-gegen-eins. Seine Stärke ist es, mit dem Rücken zum Tor die Bälle festzumachen. Was das angeht, kann ich mir auf der Position viel von ihm abschauen und ihn nach Tipps fragen.
Tauscht ihr euch oft aus?
Alessio: Auf jeden Fall. Wir geben uns gegenseitig Tipps, wie man beispielsweise den Körper am besten einsetzt oder clevere Fouls rausholt. Aber auch über den Fußball hinaus ist unser Austausch sehr eng. Ob wir miteinander schreiben oder telefonieren – wir stehen eigentlich jeden Tag im Austausch.
Wie beschreibst du dich als Spielertyp unabhängig von deinem Bruder?
Alessio: Mittlerweile sehe ich mich schon als Flügelspieler, das war vor einem Jahr noch anders. Als ich nach Verl gekommen bin, kam ich als Stürmer. Ich habe mich schon immer wohler damit gefühlt, in der Doppelspitze zu spielen. Das haben wir in Verl auch gemacht. Als klassischer Einzelstürmer habe ich mich noch nie so richtig wohlgefühlt. Unter Tobi kam schließlich der Wechsel vom Doppelsturm auf den Flügel. Da hat es bei mir Klick gemacht! Ich habe mich ab der ersten Sekunde auf der Position sicher gefühlt und gemerkt, dass meine Stärken noch besser zur Geltung kommen. Ich finde es generell von Vorteil, wenn man auf vielen Positionen spielen kann. Im Test gegen Verl habe ich über rechts gespielt, gegen Lyon dann in der Mitte. Grundsätzlich fühle ich mich aber auf der Seite, am liebsten links, wohler.
Welche persönliche Rolle willst du in der Mannschaft einnehmen?
Alessio: Für mich steht die Mannschaft im Vordergrund. Ich versuche so gut wie möglich, meinen Teamkameraden zu helfen. Diese Rolle zu definieren, fällt mir schwer, da die Saison noch nicht begonnen hat. Ich hoffe einfach, dass ich auf viele Spielminuten komme – ob von Beginn an oder wenn ich eingewechselt werde.