VFL Wolfsburg

Pumpen mit Klaus Glahn

22.09.2017

In Oldenburg ist Gerold Steindor ein Urgestein. Seine sportliche und berufliche Reife hat er in Wolfsburg erlangt.

Was ihn erwarten würde, das hatte er sich schon ausmalen können. Mit der A-Jugend des VfB Oldenburg nahm Gerold Steindor Ende der 60er Jahre an einem Turnier in Wolfsburg teil. „Von Stadt und Umfeld war ich begeistert. Als anderthalb Jahre später das Angebot vom VfL kam, stand sofort für mich fest: Das mache ich!“ Mit 20 Jahren stieß Steindor so zu einem Topteam der Regionalliga Nord, damals die zweithöchste deutsche Spielklasse. Was er erlebte, kam ihm für die Anforderungen im Profi-Bereich wie eine Feuertaufe vor. „Die Physis, die das übrige Team unter ‚Farka‘ schon gewohnt war, musste ich mir erst über Monate erarbeiten“, lacht er. „Das war anfangs sehr hart.“

Gerold Steindor.Farka, das war bekanntlich VfL-Trainerlegende Imre Farkaszinski. Nicht nur der Drill des Ungarn aber machte Steindor zu schaffen, sondern auch die starke Konkurrenz. „Fredi Rotermund, Eddi Meyer, Wolfgang Simon – nicht so einfach, da seinen Platz zu finden.“ Irgendwann aber kam er zum Zug. Weil der laufstarke Sechser, Typ Abräumer und Ballverteiler zugleich, nicht nur technisch überzeugte. Sondern auch fleißig an sich arbeitete. „Wolfsburg war ja damals auch in anderen Sportarten ein bedeutender Standort. So durfte ich hochinteressanten Menschen begegnen wie Hildegard Falck und vor allem Klaus Glahn“, so der 65-Jährige. Mit dem Judoka freundete Steindor sich an, schuftete zudem regelmäßig mit ihm im Kraftraum, um körperlich mit den anderen mithalten zu können.  

Rund 100 Einsätze kamen im VfL-Trikot zusammen. In seiner besten Phase zog Steindor hinter „Otto“ Wallek und Wilfried Kemmer die Fäden, ehe er 1974 als gestandener Spieler wieder in die Heimat zurückging. Über 500 Mal lief er anschließend noch für den VfB Oldenburg auf, hat bis heute in der Region einen Namen. Die Erinnerungen aus Wolfsburger Tagen sind trotzdem präsent. Legendäre Rückfahrten in den berühmten Bullis zum Beispiel. Oder ein entscheidendes Heimspiel gegen den VfL Osnabrück. „Mit einem Sieg wären wir in die Bundesliga-Aufstiegsrunde gezogen. Der Elsterweg war richtig voll, sogar die ‚Sportschau‘ hat berichtet. Leider ist das Spiel aber in die Hose gegangen.“     

Ende der 70er sprang die Tür zur Bundesliga wieder kurz auf, doch ein Angebot aus Bremen schlug Steindor aus. „Noch mal eine ähnliche Schinderei wie damals beim VfL? Das wollte ich nicht“, so der gelernte Versicherungskaufmann. Heute ist er Landesamtmann als Revisor bei der Deutschen Rentenversicherung Oldenburg-Bremen. Dabei hatte er als Wölfe-Spieler eine gute Stellung im Werk, arbeitete von 1971 bis Ende 1973 in der Versicherungsabteilung Inland, Unterabteilung Regress. „Eine interessante Aufgabe, die ich eigentlich nie hätte aufgeben dürfen. Volkswagen zu verlassen, war unvernünftig und fiel mir schwer“, erinnert sich Steindor. „Aber ich habe viel gelernt und mitgenommen, beruflich genau wie beim VfL. So ging ich als gereifter Mensch wieder zurück.“

Veröffentlicht in „Unter Wölfen“ am 16. August 2015.