VFL Wolfsburg

Nummer 10 der Herzen

Krzystof Nowak Porträt.Wenn Krzysztof Nowak über Fußball gesprochen hat, dann strahlte sein ganzes Gesicht. Wenn sein Blick manchmal leer war, da bekamen seine Augen in diesen Momenten einen besonderen Glanz. Er war bis kurz vor seinem Tod über alles informiert, was rund um den VfL passiert. Darüber vergaß er dann für wenige Augenblicke sogar die Krankheit, die ihn Anfang 2002 zwang, seine hoffnungsvolle Karriere zu beenden. Das letzte Spiel bestritt er am 10. Februar 2001. Es war sein 83. Bundesligaeinsatz (zehn Tore). Seitdem verehren ihn die Fans als ihre „Nummer zehn der Herzen“. 

Auch als es ihm Mühe bereitete, Worte über die Lippen zu bringen, so fiel es ihm doch etwas leichter, wenn er über Fußball und über den VfL Wolfsburg („meine zweite Familie“) reden konnte. Er machte es gerne. Und er bezog sich immer wieder auf den Fußball – auch, wenn es um ALS ging. „Es ist wie im Fußball“, sagte er dann. „Du weißt nie, wie es ausgeht.“ 

Krzysztof Nowak mit Familie.

Bei Besuchen der Familie Nowak in ihrem Haus im kleinen Dörfchen Barwedel, rund 15 Autominuten entfernt von Wolfsburg, fühlte man sich geborgen. Töchterchen Maria präsentierte stolz eine Puppe, einen Ball, eine Videokassette und ein paar Kuscheltiere. Ehefrau Beata reichte Getränke, ihre polnische Freundin Edyta ging ihr dabei zur Hand. Sohn Maksymilian war an diesem Tag noch in der Schule. Mittendrin saß Krzysztof in seinem Rollstuhl und beobachtete. Er hatte immer viel Freude an seiner Familie, mit der er viel lachte und die ihm den Alltag so unbeschwert wie möglich gestaltete. „Wir sind viel unterwegs, gehen in die Autostadt, gehen Eis essen und spazieren, gehen einkaufen oder eben zum Fußball“, erklärte Beata, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, ihren Mann rund um die Uhr zu versorgen. „Es ist ein schwerer Kampf, manchmal haben wir keine Kraft mehr.“ Unterstützung bekam sie dabei von vielen Freunden und Bekannten, „ohne die wir es nicht schaffen würden“. Beata hat einen starken Charakter. „Es gibt immer einen Weg“, sagt sie. 

Krzysztof und Beata Nowak.Ganz nüchtern erklärte Krzysztof: „Wir wollen nicht darüber nachdenken, warum alles so ist. Jeder Mensch möchte gesund und glücklich sein. Aber das Leben ist einfach so. Keiner weiß, warum der eine gesund ist und der andere leiden muss. Entweder du schaffst es oder du schaffst es nicht.“ Krzysztof – er begann 1985 mit dem Fußballspielen - hat eine Menge erlebt, spielte für Ursus Warschau, Sokol Pniewy, Panachaiki (Griechenland), Legia Warschau und Opal Lubosz und fand zwischendurch noch Zeit für das Abitur. Und er kickte sogar für Atletico Paranaense in Brasilien. Beim Besuch eilte Beata los, um den schwarzen Ordner mit den vielen Presseberichten und Zeitungsausschnitten aus dieser Zeit zu holen. Immer wieder zeigte Maria mit ihren kleinen Fingerchen auf die Fotos von Papa und sagt „Krzysio“ – der Kosename für Krzysztof. 1996 wechselte die Familie – Maria war noch nicht geboren - nach Brasilien, zwei Jahre später kam der zehnmalige polnische Nationalspieler trotz anderer Nachfragen aus der Bundesliga nach Deutschland zum VfL Wolfsburg. „Ich wollte unbedingt nach Europa, weil es hier die stärksten Mannschaften gibt. Beim VfL sah ich Perspektive“, erklärte er. Mit Beata war er sich einig: „Es war eine tolle Zeit in Brasilien. Die Menschen sind viel lebenslustiger und lockerer, sie sind spontan und sie tanzen immer. Sie haben eben eine ganz andere Mentalität.“ 

Aber auch mit der Mentalität in Deutschland kamen sie gut zurecht, seit sie vor fünf Jahren ihr Haus in Barwedel bezogen. Deutschland ist die Heimat ihrer Familie, hier fühlen sie sich wohl und haben ihre Freunde. Das ist wichtig - gerade, wenn man ein schweres Schicksal trägt. Deswegen werden Beata und ihre Kinder auch weiterhin in Deutschland bleiben. 

Krzysztof Nowak mit seiner Frau Beata.Tausende von Kilometern hatten Beata und Krzysztof auf sich genommen, um die Krankheit zu bekämpfen und dabei niemals die Hoffnung verloren. Krzysztof: „Ich glaube an Gott, er ist meine Hoffnung. Auch wenn ich es manchmal nicht verstehen kann, was passiert ist. Aber es gibt so viele Dinge auf dieser Welt, die man nicht versteht.“ 

Mit der Homepage zu seiner Stiftung wollte Krzysztof Nowak den Menschen, die an ALS leiden, Hoffnung machen und Unterstützung geben. Für viele ist er auch nach seinem Tod ein Rettungsanker.