VFL Wolfsburg

„Ein Wahnsinnsgefühl“

15.05.2017

Hauptsache, im Ziel: VfL-Frauen ernten in Freiburg die Früchte einer überragenden Saison.

Jede tolle Serie reißt irgendwann, meistens natürlich im ungünstigsten Moment. Wenn die Wölfinnen sich aber hätten aussuchen dürfen, wann die längste Siegesstrecke in der Geschichte des VfL-Frauenfußballs am liebsten aufhören dürfte, dann hätten sie wohl diese Konstellation gewählt. Zwei Minuten vor Abpfiff der für das Meisterstück bedeutungslosen 0:2-Niederlage beim SC Freiburg gab Ralf Kellermann das entscheidende Signal: Raus mit den Meister-T-Shirts und übergezogen! Als wenig später der Rasen zur Flutung freigegeben wurde, gab es auf der Trainerbank kein Halten mehr. Coaches, Betreuer, Reservespielerinnen und alle anderen aus dem grün-weißen Lager rannten aufs Feld um zu feiern, was selbst die titelverwöhnten VfL-Frauen bislang noch nicht zustande gebracht hatten: Eine vorzeitige Deutsche Meisterschaft!

„Meister wird man nicht alle Tage“

Ehrgeizig genug, um sich über den unnötigen Endstand zu ärgern, waren sie durchaus. „Es ist schon schade um die Serie, wir hätten sie gern zu Ende geführt. Aber wir haben den Titel – darüber freuen wir uns riesig“, strahlte Vanessa Bernauer. „Es macht mich unheimlich stolz, in dieser Mannschaft zu spielen“, so Alexandra Popp, die als eine von acht Spielerinnen des Kaders bereits 2013 dabei war, im Möslestadion somit die achte Trophäe (!) in fünf Jahren bejubelte: „Es ist das, was wir uns vor der Saison erträumt haben, die Meisterschaft ist der wichtigste Titel. Doof, dass wir verloren haben. Trotzdem bleibt es ein Wahnsinnsgefühl!“ Und auch Almuth Schult wischte den ersten Frust über die Niederlage schnell beiseite. „Meister wird man nicht alle Tage. Wie, ist letztlich egal. Spätestens wenn man geduscht im Bus sitzt, wird sicher auch dem Letzten bewusst, was wir erreicht haben.“

Parallelspiel als Hemmschuh

Ob die Superserie auch ohne Schützenhilfe der Bayern gerissen wäre? Eine müßige Frage. „Wir wussten natürlich, wie es in Potsdam steht. Eigentlich darf uns sowas nicht hemmen, aber es kann schon sein, dass es im Hinterkopf eine Rolle gespielt hat“, gab Bernauer zu. „Es haben uns ein paar Prozente gefehlt, speziell nach der Pause. Vielleicht hatte es mit der klaren Bayern-Führung zu tun, das ist aber absolut menschlich“, ergänzte Kellermann, der trotz der zweiten Saisonniederlage mit Stolz auf eine insgesamt bärenstarke Spielzeit verwies. „Entscheidend war, dass wir in der Hinrunde, als es nicht so gut lief, drangeblieben sind. In einer überragenden Rückserie haben wir dann Woche für Woche unsere große Qualität im Kader abrufen können“, erläuterte der scheidende Chefcoach – und wurde mitten im Interview von der jubelnden Mannschaft mit Eiswasser abgeduscht. 

Feier-Strecke mehrfach erprobt

Denn natürlich entfaltete sich die anfangs irritierte Freude schnell zu ungebremster Euphorie. Noch auf dem Rasen knallten die Korken, die Spielerinnen tanzten im Kreis und feierten mit den mitgereisten Fans. Während der Mannschaftsbus zur Abfahrt vorfuhr, wummerten aus der Kabine die Bässe. Konkrete Planungen hatten die Titelsammlerinnen für die Rückfahrt dabei nicht im Gepäck. „Da wir in Freiburg schon mehrfach ins Pokalfinale gezogen sind, haben wir mit der Strecke aber Erfahrung“, schmunzelte Kellermann, der zugleich ohne Sorge war, dass unterwegs die entscheidenden Körner für das finale Ligaspiel gegen Jena verloren gehen könnten. „Wir werden diese Woche genießen, aber auch etwas Druck rausnehmen. Danach fährt die Spannung automatisch wieder hoch. Wir freuen riesig auf das letzte Heimspiel und wollen danach natürlich alles geben, um in Köln das Double perfekt zu machen.“

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