Ob in der Medienabteilung, im CSR-Team, im Frauenfußball oder beim E-Sport – wer bei den Wölfen als Studentin oder Student ins Berufsleben reinschnuppern möchte, der hat einen bunten Strauß an Möglichkeiten. In der Anfangszeit der Grün-Weißen nach dem Bundesliga-Einzug sah das noch ganz anders aus. Als vor einem Vierteljahrhundert Jesper Gaden beim VfL Wolfsburg hospitierte, bestand sein Kollegium aus kaum einem Dutzend Personen. Sein Arbeitsalltag als erster Bundesliga-Praktikant in der Geschäftsstelle am Elsterweg klingt aus heutiger Warte gemütlich und etwas eindimensional. Der Pionier aber ging in seinen Aufgaben auf und ließ sich von der damaligen Aufbruchstimmung tragen.
Regelkundiges Familienoberhaupt
Der Vater hatte noch gewarnt. „Im Stadion darfst du alles tragen, es sollten nur keine Farben des Gegners sein‘, hatte er gesagt“. Wolfram Gadens Kumpel, der zum Heimspiel gegen den MSV Duisburg mitkam, wollte aber nicht hören. Kaum fing es zu regnen an, spannte er einen blau-weißen Schirm, auch noch mit einem aufgedruckten Mazda-Logo, auf. „Da gab es direkt Protest aus der Kurve, so dass er ihn wieder einklappen musste“, lacht Jesper Gaden. Werk, Stadt und Verein – diese besondere Verbindung war für den 45-Jährigen immer schon normal. Bereits zu Oberliga-Zeiten nahm ihn sein Vater mit zu den Wölfen. Später steuerte er den Elsterweg mit Schulfreunden an. Meist stellte er sein Fahrrad dann bei der Oma im Amselweg ab, ehe es zu Fuß im VfL-Trikot zum Treffpunkt ging. „Wir haben uns immer an der großen Anzeigentafel versammelt, die war nicht zu verfehlen. Mein Vater war oft noch dabei und hat sich dann mit seinen eigenen Leuten getroffen.“
Im Fahrschulwagen zum Endspiel
Wer 1977 auf die Welt gekommen ist, in dessen Fanjugend ging es stetig bergauf. Den Zweitligaaufstieg erlebte Gaden als 14-Jähriger. Intensiver erinnert er sich an den folgenden Meilenstein, das Pokalendspiel 1995, und zwar aus doppeltem Grund. „Zu der Zeit habe ich gerade meinen Führerschein gemacht. Mein Fahrlehrer, riesiger VfL-Fan, fragte mich irgendwann, ob ich mit nach Berlin kommen wolle.“ Mit seiner Frau und einem Freund im Wagen sammelte der Mann ihn nicht nur zu Hause ein, sondern ließ den Jugendlichen das Fahrzeug auch direkt steuern. „Die Autobahnfahrt ist mir dann sogar angerechnet worden.“ Dass Grün-Weiß zwei Jahre später in der Bundesliga spielen würde, hätte sich Gaden zu dieser Zeit nicht träumen lassen. Und noch weniger, dass er kurz darauf selbst für den VfL arbeiten würde. „Bis zum Start des Studiums hatte ich noch Zeit zu überbrücken. Da habe ich mich einfach initiativ um ein Praktikum beworben und wurde genommen.“


